Reisebericht "Der neue Osten Europas - Rumänien und Bulgarien"

Der neue Osten Europas

WU Aktuell Ausgabe 2/2008 21.1.2008

Bergsteigen in Europas Osten

Weit weg? Bergsteigen, Skitouren und Trekking in den neuen Osten Europas – Rumänien und Bulgarien? Für die meisten Mitteleuropäer sind diese beiden Staaten relativ unbekannt, eintönig, grau, schlichtweg uninteressant, der Osten ist leider für viele noch sehr weit weg – von Wien sind es allerdings nicht mehr als 1 1⁄2 Stunden nach Bukarest oder Sofia.
Bulgarien - Firn und Pulverschnee Beginnen wir in Sofia und im Winter, von der Bulgarischen Hauptstadt geht’s in Richtung Süden, zu den Gebirgen Rila und Pirin. In diesen beiden Gebirgen eröffnet sich ein uns unbekanntes Gebiet für Ski und Bergtouren, das wir in einer Woche entdecken wollen. Bei den Touren in den höchsten Gebirgsgruppen Bulgariens erreichen wir Höhen bis knapp unter 3000 Meter und natürlich auch den Berg Mussala, den mit 2925 Metern ü.M., höchsten Gipfel der gesamten Balkanhalbinsel. Von dort aus erleben wir gewaltige Fernblicke über schneebedeckte Gipfel soweit das Auge reicht, bis weit hinüber über die griechische Grenze. Durch die südliche Lage der Gebirge bedingt, ist die Sonne im März schon recht kräftig und es gibt bei den südlichen Abfahrten meist schon wunderbaren Firn, angenehme Temperaturen und mit etwas Glück, liegt in den nördlichen Bereichen noch bester Pulverschnee. Nach diesen traumhaften Skiabfahrten machen wir uns auf den Rückweg von unserer Skitourenwoche in den Bulgarischen Bergen, dabei denken wir schon wieder an die nächste Reise, vielleicht Bulgariens Hochgebirge nicht nur im Winter erleben, genauso schon ist es im Sommer – Wälder, Almwiesen, Bergseen, felsige Gipfel und mit dem Besuch des Rila Klosters auch etwas Kultur? Oder aber im Sommer nach Rumänien, dem nördlichen Nachbarn Bulgariens?

Skitouren in Bulgarien - Rila und Pirin   Skitouren in Bulgarien - Rila und Pirin   Skitouren in Bulgarien - Rila und Pirin 

Rumänien - Lagerfeuer, Bären und Wölfe

Denn auch in Rumänien gibt es viel zu entdecken und erleben – wie Kanufahrten im Mündungsdelta der Donau, Bergtouren zu den höchsten Gipfeln der Südkarpaten, oder einer Woche Hüttentrekking durch weite Wälder und zu schroffen Gipfeln in den Bergen Transylvaniens. Weiter geht es im Frühling - Hüttentrekking in den Südkarpaten, genauer gesagt im Nationalpark Piatra Craiului, dem Königsteingebirge. Von Bukarest fahren wir in Richtung Norden, nach Brasov und weiter nach Zarnesti. Hier haben wir den Nationalpark Piatra Craiului erreicht und von nun an geht’s durch weite Wälder zu recht urigen Hütten - es ist doch etwas ungewohnt Nachts zum recht weit von der Hütte entfernten Plumpsklo am Waldrand zu gehen – nach einigen Geschichten am Lagerfeuer, über Bären und Wölfe, aber man gewöhnt sich dran, außerdem entschädigt die Gastfreundschaft, Gemüsesuppe, Käseknödel und Glühwein sowie die gute Stimmung (wenn man dann wieder zurück beim Lagerfeuer ist). Am nächsten Morgen noch eine kurze Wäsche im Bach und dann kann es weitergehen. Von den Hütten führen uns die Tagesetappen – meist von Hirtenhunden begleitet, durch dichte Wälder, zum steinigen Gipfelkamm des Königsteins und weiter zur nächsten Hütte. Abschließend erreichen wir dann die komfortabelste Hütte der Tour – fast sogar schon ein kleines Berghotel, mit warmer Dusche, kaltem Bier und viel zu Essen. Dann am letzten Tag noch ein Ausflug nach Sibiu, der Europäischen Kulturhauptstadt des vergangenen Jahres und nach einer Woche machen wir uns dann wieder auf den Weg, zurück nach Bukarest, wühlen uns durch das Verkehrschaos der Großstadt bis hin zum Flughafen und 1 1⁄2 Stunden später kommen wir wieder in Wien an – zurück aus dem neuen Osten Europas, mit schönen Eindrücken von der Natur, Kultur und Gastfreundschaft zweier gar nicht so weit entfernter Länder.

Rumänien - Wandern in den Kaparten   Rumänien - Wandern in den Kaparten   Rumänien - Abenteuer mit dem Kanu im Donaudelta